Mittwoch, 5. November 2014

Impfen - pro & contra: Interview mit Dr. Martin Hirte

Impfen ist DAS Thema, das am heißesten in Mütterkreisen diskutiert wird. Auch uns hat es lange beschäftigt, und dank unserer tollen Kinderärztin und des Buchs "Impfen - Pro & Contra" von Martin Hirte haben wir eine individuelle Impfentscheidung getroffen. 
Individuell heißt, wir richten uns nicht zu 100% nach den Vorgaben der StiKo, vor allem nicht bei den zeitlichen Angaben. 

Die StiKo, das ist die Ständige Impfkomission des Robert-Koch-Instituts, die Impfungen und den Zeitraum, wann man sie zum ersten Mal impfen sollte, empfiehlt. Wir wollten unseren Sohn zwar nicht komplett ungeimpft lassen, doch nach intensiven Gesprächen und Literaturrecherche fanden wir nicht alle Impfungen der StiKo sinnvoll –  allem die Zeiten, zu denen oft sehr früh schon geimpft wird, waren für uns ein Grund, eine individuelle Impfentscheidung zu treffen. 




Manche Kinderärzte impfen einfach durch, ohne die Eltern nach ihrer Meinung zu fragen und ich habe schon oft gehört, dass manche Kinderärzte die Impfungen als Pflichttermine sehen und uneinsichtig sind, wenn man sein Kind nicht oder später impfen lassen möchte. Die Empfehlungen der StiKo sind keine Pflicht, es sind wie der Name sagt "Empfehlungen". Sollte Euer Kinderarzt das anders sehen und Euch zu Impfungen, die Ihr lieber später oder gar nicht machen würdet, überreden wollen, dann sucht Euch einen Neuen. Das klingt jetzt hart, aber mit solchen Kinderärzten lässt sich auch später in Bezug auf Antibiotikagabe und andere Dinge nicht diskutieren und von vielen Müttern mit älteren Kindern weiß ich, dass sie im Nachhinein zugeben, viel zu spät den Kinderarzt gewechselt haben.

Im letzten Winter hatte ich die große Ehre, für meinen damaligen Auftraggeber medicalpress.de ein Interview mit dem renommierten Kinderarzt und Impf-Experten Dr. Martin Hirte ein Interview zu führen, dass ich Euch nicht vorenthalten möchte. Vor allem, weil unsere Kinderärztin auch ganz begeistert von seinen Antworten war, und meinte, das sei eine perfekt Zusammenfassung des Buches.


Das Buch ist sehr neutral geschrieben, Herr Hirte erklärt darin jede Kinderkrankheit und die Impfungen mit ihren eventuellen Nebenwirkungen und ist kein kompletter Impfgegner. Vielmehr möchte er Eltern dabei unterstützen, ganz individuell einen Impfkalender für ihr Kind zu erstellen und ihnen dafür so viele neutrale Informationen wie möglich zur Hand geben. Auch als Interviewpartner war Herr Hirte sehr angenehm.


Allen, deren Kinder noch nicht "durchgeimpft" sind, oder die sich mit dem Thema überfordert fühlen, kann ich das Buch nur empfehlen. 




Interview mit Dr. Martin Hirte



1. Welche Kinderkrankheiten sind die gefährlichsten?
Wenn Sie lebensbedrohlich meinen, dann liegt die Diphtherie eindeutig in Führung. Auch die moderne Medizin ist angesichts der Giftstoffe, die die Diphtheriebakterien bilden, oft machtlos. Zwar hat die Anfälligkeit für Diph- therie auch mit Mangelernährung und schlechten Lebensbedingungen zu tun, aber wir sollten trotzdem nicht den Versuch wagen, das Impfprogramm zu stoppen. Die anderen klassischen "Kinderkrankheiten" wie Masern, Windpo- cken, Mumps oder Röteln machen Probleme hauptsächlich dann, wenn sie im untypischen Alter auftreten, also bei Erwachsenen oder im Fall von Masern auch bei Säuglingen.

2. Welche konnten - zumindest in Deutschland - ausgerottet werden?

Kinderlähmung ist in Deutschland seit 1992 nicht mehr aufgetreten. Der letzte Fall von Diphtherie bei einem Kind wurde 1997 registriert, es gibt aller- dings noch Einzelfälle von Erwachsenen, die nach einer Auslandsreise er- krankt sind. Die Ausrottung der Masern dürfte demgegenüber schwer werden, vor allem weil die Impfung nicht bei jedem wirkt. Nach zwei Impfungen haben höchstens 95 Prozent einen bis ins Erwachsenenalter anhaltenden Schutz. Bei der angestrebten Impfquote von 95 Prozent bleiben also etwa zehn Prozent der Bevölkerung empfänglich für Masern.
So werden selbst in den USA , wo die Impfung quasi Pflichtcharakter hat, jedes Jahr über hundert Masernfälle gemeldet. Die Masernausrottung, also das Verschwinden des Virus, scheitert auch daran, dass es auch bei gesunden Geimpften vorkommt und an andere Geimpfte weitergegeben werden kann. Inzwischen wurde zudem entdeckt, dass Fledermäuse ein Reservoir für Masernviren bilden.

3. Was halten Sie von so genannten Masernpartys?
Nichts. Erstens funktionieren sie selten, weil die Masern nach Diagnosestellung nicht mehr lange ansteckend sind. Zweitens möchte ich nicht in der Haut von Eltern stecken, deren Kinder nach einer herbeigeführten Ansteckung eine Komplikation erleidet.

4. Auf Ihrer Homepage empfehlen Sie die Masernimpfung erst ab dem 16. Lebensmonat - warum?
Eine neuere kanadische Studie hat gezeigt, dass die Masernimpfung vor dem Alter von 15 Monaten eher zu Impfversagen führt als der spätere Impfbeginn. Will man die Masern weitgehend ausrotten, müssen die Impfempfehlungen geändert werden.

5. Welche Impfungen sind auf jeden Fall notwendig, auf welche kann man hierzulande verzichten?
Impfungen haben nicht immer nur den Aspekt, dass sie eine Krankheit verhindern, wie uns die Epidemiologen in der Impfkommission erklären. Die STIKO empfiehlt ja durchgehend alle Impfungen, die auf den Markt kommen.
Impfprogramme haben auch ökologische Folgen - etwa das Verschieben von Krankheiten in höhere Altersgruppen, in denen sie möglicherweise mehr Komplikationen machen. Dies ist derzeit bei Masern, Windpocken und auch Keuchhusten zu beobachten. Die Gefahr an Masern zu sterben ist heute, wo über die Hälfte der Erkrankten Erwachsene sind, deutlich höher als noch in den 80er oder 90er Jahren.
Die meisten Krankheiten werden nach Einführung eines Impfprogramms zwar seltener, aber das hat auch zur Folge, dass die Menschen, die sie einmal durchgemacht haben, ihren Schutz nicht mehr auffrischen, nicht mehr "boostern". So kann es zu Wiedererkrankungen kommen, etwa zu Keuchhusten, der heute öfter im Leben auftritt als in früheren Zeiten, oder zur Gürtelrose, die auf Grund der Windpockenimpfung über die nächsten Jahrzehnte stark zunehmen wird. Speziell die Windpockenimpfung aller Kinder halte ich für ein nicht nachhaltiges Impfprogramm, das uns noch große Probleme aufbürden wird. Man muss sich auch fragen, was die Impfungen gegen die Hepatitis B - bei uns eine klassische Geschlechtserkrankung - im Impfkalender für Säuglinge soll. Da ist selbst eine einzige schwere Nebenwirkung eine zu viel.
Impfungen können weiterhin zur Verschiebung von Erregern führen: Impft man bespielsweise wie derzeit gegen 13 Pneumokokkenstämme, so vermehren sich eben die anderen 78 Stämme, oder es siedeln sich neue Bakterien an. Ob das für die Geimpften von Vorteil ist, kann niemand sicher vorhersagen.
Impfentscheidungen werden auch dadurch nicht einfacher, dass wir kaum eine Ahnung von Langzeitfolgen haben. Die Zulassungsbehörden lassen uns in- sofern in Stich, als sie nicht auf der gründlichen Untersuchungen von Impffol- gen und -komplikationen bestehen, und solche Studien auch nicht selber in Auftrag geben.


Aus diesem Grund wird inzwischen auch die Verfassungsrechtlichkeit der STIKO-Empfehlungen angezweifelt. Es gibt zahlreiche Hinweise auf mögliche Störungen des Immunsystems oder der neurologischen Entwicklung durch das viele Impfen in der ganz frühen Kindheit. Mehr und mehr kristallisiert sich heraus, dass das Aluminium, das in allen Säuglingsimpfstoffen enthalten ist, ein hochproblematischer Stoff ist.
Manche Krankheiten haben auch einen positiven Aspekt, den man durch die Impfung verliert. So deuten einige Studien darauf, dass die Mumpserkrankung Frauen vor Eierstockkrebs schützt. Windpocken vermitteln einen gewissen Schutz vor allergischen Erkrankungen, Diabetes und Knochen- oder Hirntumoren. Auch die Masern üben offenbar einen positiven Effekt auf das Immunsystem aus, doch man gerät schnell in den Verdacht, ein fundamentalistischer Impfgegner zu sein, wenn man darüber spricht oder schreibt.
Für besonders wichtig halte ich die Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung und Masern. Die Hib-Impfung ist sehr effektiv, aber weniger gut verträglich. Man könnte sie bei der stabilen epidemiologischen Situation auch ins zweite Lebensjahr verschieben, als einmalige Einzelimpfung - vor allem wenn das Kind gestillt wird und nicht passiv raucht. Für die meisten weiteren Säuglings- und Kleinkinderimpfungen müsste das Verhältnis zwischen Nutzen und Risiko noch genauer bestimmt werden. Erwachsene sollten immun sein gegen Masern und Windpocken, Frauen zudem gegen Röteln und Männer gegen Mumps. 


Quelle: medicalpress.de

1 Kommentar:

  1. Super Interview! Wir hatten uns damals bei Dr. Hirte beraten lassen. Ihc kann das nur empfehlen.

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